Heute schreibe ich über die Chancen des Waldbadens aus einer ganz persönlichen Sicht, verbunden mit einer ganz individuellen Erfahrung und konkreten Erlebnissen. Damit möchte ich aufzeigen wie intensiv Waldbaden auf uns Menschen wirken kann. Und für mich zeigt dies auch, wie sehr die Sehnsucht nach Natur in uns verankert ist.

Heute nehme ich mir Zeit für mich. Im Wald möchte ich nach Obenbaumblicken suchen. Baumkronenperspektiven. Genauer gesagt werden es Buchenbaumkronenperspektiven sein. So mache ich mich auf in meinen Lieblingsbuchenwald. Und ich nehme mein Baumzelt mit. Das ist auch die einzige Absicht die ich verfolgen werde. 

Mir geht es um Absichtslosigkeit, um innere Freiheit. Mich in Ziellosigkeit treiben lassen. Und ich gehe mit der inneren Haltung, dass ich den Ort finden werde, der für mich heute richtig ist. Einen Ort der intuitiv meine innere Zustimmung finden wird. Welch ein Luxus. Ja ernsthaft welcher Luxus in dieser schnellen von Effektivität dominierten Zeit. Dies sind alles Chancen des Waldbadens.

Intuitiv den richtigen Ort finden

Vielleicht fragst du dich jetzt wie man intuitiv den richtigen Ort findet? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es darauf ankommt sich einfach treiben zu lassen. Frei von irgendwelchen Ansprüchen, jetzt gerade genau den richtigen Ort finden zu wollen. Dann entsteht so etwas wie innere Freiheit. Innerlich offen für die Resonanz um mich herum. Nach innen gerichtete Welchselwirkungsachtsamkeit nenne ich das.

Manchmal merke ich, wenn ich dem Ort näher komme, dass meine Schritte langsamer werden. Plötzlich wendet sich meine äußere Aufmerksamkeit nach innen. Ich trete sozusagen in Korrespondenz, in Wechselwirkung zwischen innen und außen. Und wenn ich mich dann angekommen fühle, ist es meistens so, das innen und außen in einer Balance sind. Im Gleichgewicht. Kannst du dir vorstellen wie ich das meine? Da breitet sich eine wunderbare innere Ruhe, ein innerer Einklang mit mir und meiner Umgebung aus. 

Den richtigen Platz gefunden

Heute lande ich auf jeden Fall zwischen riesigen Buchen. Alle fast kerzengerade in den Himmel gewachsen. Zwischendrin ein paar Kleinere, die eher einen je nach Lichteinfall gebogenen Stamm haben. Gewachsen nach den Lichtlücken, die sich sicher mehrfach in den Jahren geändert haben, je nachdem wie die Buchen drumherum gewachsen sind.

Ich finde drei Bäume die sich als Grundlage für mein Baumzelt eignen. Der Aufbau entsprechend Routine geworden. Schnell ist es in 1,50 m Höhe gespannt. Jetzt kann es losgehen. Ich schwinge mich hinauf und suche mir einen guten Platz. Einen Platz an dem ich gut liegen kann. Zwischendurch dieses leichte Wippen, das mich an das leichte Schaukeln in einer Wiege erinnert. Es schafft ein warmes wohliges Gefühl der Geborgenheit. Bei jeder kleinen Bewegung immer wieder dieses leichte Wippen. Das ist schön.

Das wunderbare Grün

Und dann passiert etwas erstaunliches. Ich merken – nein es ist mehr – ich spüre, wie ich innerlich ruhiger werde. Ich fahre wirklich runter. Das Grün um mich herum ist so vielfältig. Plötzlich kann ich alle unterschiedlichen Nuancen wahrnehmen. Mal ist es eher ein hellgrün je nach Lichteinfall, dann wieder ist es eher dunkel weil es im Schatten liegt. Und es gibt die durch die Sonne angeleuchtet fast durchsichtigen Hellgrüns. Ich kann nicht sagen welche ich am schönsten finde. Es kommt vielmehr auf meine Stimmung an. Manchmal sehe ich eher nur die dunkelgrünen an anderen Tagen nur die hellgrünen Blätter. Und dazwischen die Brauntöne der Buchenstämme oder eher auch Grüntöne, da je nach Alter der Bäume Flechten ihren Platz gefunden haben.

Ich wechsle ab zwischen Phasen in denen ich meine Augen geschlossen oder  auf habe. Wenn sie geöffnet sind, suchen sie fast immer das Blau, das helle Blau des Himmels im Sommer. Mal sind die blauen Flecken zwischen all dem Grün größer, mal sind sie kleiner. Manchmal erscheinen sie nur wie kleine Punkte zwischen all dem Grün des Blätterdachs. 

Die beruhigende Wirkung des Grüns

Und wenn ich mich dann ganz eingelassen habe und das geht manchmal ganz schnell, ein anderes Mal eher langsamer, dann spüre ich die beruhigende Wirkung das Grüns. Grün die Farbe der Hoffnung. Mein Blick öffnet sich, mein Blick nach innen wird optimistischer und ich spüre wie’s mir von einem Moment zum anderen immer besser geht. Angesteckt fliegt den Buchen um mich herum ein Lachen von mir entgegen. Und sie lächeln zurück.

Das Windspiel in den Wipfeln

Heute geht ein leichter Wind und neben dem Sehen gibt es viel zu hören. Das Rauschen sagt mir etwas über die Stärke des Windes. Einmal ist es ganz leicht, fast wie als wenn ein Pfau sein Rad schlägt, dann wieder kräftiger, so das auch einzelne Äste gegeneinander schlagen und das Rauschen fast wie ein Meeresrauschen wird. Ja auch das Rauschen der Blätter in den Wipfeln der Buchen um mich herum kommt und geht, wie die Wellen am Meer. Mal in einem schnelleren mal in einem langsameren Rhythmus.

Und wenn der Wind zwischendurch kräftiger auffrischt, dann kann ich auch das Knarren und Knatschen der mächtigen Stämme hören. Und bei all den Einflüssen von außen bleiben die Bäume doch immer sie selbst. Sie ruhen in sich. Sie strahlen eine innere und äußere Gelassenheit ab. Diese greift sanft auf mich über.

Gelassenheitszeit

Je später es wird, desto deutlicher kann ich die Vögel hören. Sie stimmen ein so ganz natürlich in das Spiel der rauschenden Blätter. So wird ein Waldkonzert daraus. Auch hier verändert sich permanent der Rhythmus. Mal kommt er leicht und sanft daher und dann wieder mit Tempo, so dass ich gar nicht weiß wohin ich zuerst hinhören soll. Und manchmal durchschlägt ein Düsenflugzeug mit lautem Turbinengeräusch die Geräuschsidylle. Doch inzwischen weiß ich, dass ich wieder einen Moment später nur ganz ruhig und gelassen bin. Es tut gut nur im hier und jetzt zu sein. Achtsamkeitszeit. Resonanzbogen, Resonanzwechselspiel Resonanzidylle.

Und gegen Abend kommt die Zeit, in der sich das Gurren der Tauben in die Geräuschkulisse mischt. Sie sind auf der Suche nach einem Platz für die Nacht. Was sie sich wohl durch ihr Gurren erzählen? Auf jeden Fall kommt mir ihre Gurrsprache rhythmisch vor. Fast wie ein Schlagzeug der Vögel.

Wechselspiel der Kulisse 

Ja so verändert sich die Kulisse des Waldes den Tag über, wie sie auch zu unterschiedlichen Jahreszeiten ein anderes Gesicht hat. 

Beim Waldbaden entwickelt sich dafür eine neue Sensibilität. Eine wie ich finde neue Wahrnehmungslust an der Natur die so nah ist. Dafür muss ich nicht in ferne Länder reisen. Ich kann einfach hinausgehen und schon bin ich mitten drin. Eine Waldwelt die mich fokussiert, die mich zentriert, die mich sanft zu mir bringt. Jeden Tag und jede Stunde, ja manchmal sogar jede Sekunde ein kleines Stückchen mehr. Auch darin liegen die Chancen des Waldbadens.

Heute war es tagsüber sehr warm. Und doch wird es jetzt gegen 20:00 Uhr im September schon ein wenig kühler. Ich merke wie diese Kühle langsam doch unaufhaltsam an mir hochzieht. Sie nimmt von mir nach und nach mehr Besitz. Meine sommerliche Bekleidung trägt auch einen Anteil dazu bei. 

Heimweg

Das nächste Mal werde ich mir eine Jacke mitnehmen müssen. Doch so mache ich mich heute langsam auf den Heimweg. Ich spüre noch einmal intensiv nach. Ich atme noch einmal intensiv bewusst lange ein und wieder aus. Das mache ich zwei dreimal hintereinander. So spüre ich, wie meine schon gewonnene Ruhe und Gelassenheit sich noch ein wenig mehr in mir verankert. Mein Körper schenkt der Ruhe und Gelassenheit eine Heimat. Und ich werde sie mitnehmen hinaus in das was mich erwarten wird. Chancen des Waldbadens.