Strömender Dauerregen, fast wie aus Eimern. Wie soll das bei dem Wetter gehen, mich einlassen auf Shinrin yoku Übungen. Zum Regencape habe ich also noch eine Regenhose übergezogen. Die beschriebenen Erfahrungen in meinem Beitrag „Waldbaden erleben“ schenken mit trotz der scheinbar widrigen Umgebung Vorfreude auf das was kommen mag. Kommen mag – meine „innere Freiheit des Seins“. Da ist sie wieder. Mein Luxus des mich treiben lassens, ohne genau zu wissen wohin. Zweckfrei – einzig für die Erfahrung. Meine Erfahrung.

Unterschiedliche Wälder erfahren

Tipp: Probieren Sie unterschiedliche Waldstücke aus. Ein Fichten- oder Tannenwald ist anders, als ein Buchen- oder Mischwald. Jeder Wald hat seine ganz spezielle Wirkung, seine ganz eigenen Düfte und Geräusche. Und auch die Baume fühlen sich anders an. Also wird im Wechselspiel mit dem Wald bei mir – je nach Umgebung – etwas anderes ausgelöst. Darin liegen Möglichkeiten für andere und oft neue Erfahrungen.

Die Umgebung anders als beim letzten Waldbadenausflug. Große Fichten, einige vom Sturm vor 3 Wochen im wahrsten Sinne des Wortes niedergemäht. Es ist dunkler, weniger Licht wird von oben durchgelassen. Irgendwie für mich drückender – vielleicht sogar erdrückender. Der Boden federnd, weicher, nachgebender. Dafür die Gerüche intensiver. Noch kräftiger, wenn ich nah an eine dieser Baumwunden gehe, wo das Harz (Terpentine) sich seinen Weg zum Schutz bahnt. Ich nehme eine Nase Harzgeruch. Es erinnert mich an Weihnachten. Die zwischen meinen Fingern zerriebenen, vom Boden aufgehobenen Fichtennadeln mit ihrem Duft auch. Und an warme Latschenkiefernbäder muss denken, nach einer langen Wanderung sehnsüchtig erwartet. Fichtennadelharzaroma leicht klebrig noch lange an meiner Hand. Zwischendurch sucht meine Hand durch die kleine Öffnung im Cape ihren Weg an meine Nase. Ich bin nach Stunden immer noch verwundert, wie die Intensität bleibt.

Ich gehe weiter. Es zieht mich ins Helle, ins jungfräuliche Grün des Frühlings, dass durch die Nässe hindurch noch eindringlicher zu leuchten scheint. Und plötzlich stehe ich vor einem Spitzahorn. Weit über 20 Meter hoch und mir kommt es wie ein Wunder vor: Der mächtige Stamm sich gleich unten nochmals teilend in zwei. Eins und doch zwei. Verbunden und doch für sich. Und dann packt es mich und plötzlich bin ich ganz bei diesem Waldgeschöpf und tauche ein in eine neue Erkundungsreise und bin gespannt, was mir begegnen wird.Shinrin yoku Übungen

Shinrin yoku Übungen am Spitzahorn

Einer der Stämme hat eine ganz trockene Seite. Sie scheint vom Wetter abgewandt zu sein. Wenn ich mich dort hinstelle, dann bin ich fast geschützt vom Regen. Nur einzelne Tropfen vom Blätterdach darüber fallen vereinzelt auf meine blaues Regencape – wie in Zeitlupe. Ich fasse die Rinde an, nicht mal klamm, obwohl es die ganze Nacht durchgeregnet hat. Wahrscheinlich – würde ich ein Stück der Borke abbrechen – wäre sie vorzüglich zum Feuermachen geeignet. Die andere Seite leicht mit Moos bewachsen und feucht.

Der zweite Stamm von fast allen Seiten gleich von Wind, Regen und Sonne gezeichnet. Von unten bis weit nach oben mit Moos bewachsen. Noch freigebliebene Stellen leicht schmierig grün. Wie viele Jahre es wohl braucht, bis diese Stellen auch moosig sind? Rinnsale von Regenwasser bahnen sich ununterbrochen Ihren Weg den Stamm des Zweiten hinunter.

Überraschung

Und dann stoße ich unvermittelt weit unten am Stamm auf der trockenen Seite an einen Ast. An einer Nische hat ein Keimling vor 2 – 3 Jahre einen Platz gefunden. So wächst aus dem astlosen Stamm ein neuer Ast gleicher Sorte. Und wie von Geisterhand verbindet sich mit meinen Spitzahornerlebnissen ein Thema, eine Frage gespeist aus der Akualität meines Lebens. Was wird kommen in der Zeit meiner Rente? Welche Aufgaben werden mich erwarten? Welche Ziele stelle ich mir vielleicht noch? Werden im übertragenen Sinne noch große Bäume wachsen oder werden es eher kleine Äste sein. Für was wird noch Zeit sein, für was werden ich mir Zeit nehmen wollen? Mit welcher Intensität werde ich noch etwas auf den Weg bringen? Shinrin yoku Übungen

Spüre ich doch, wie mein Körper, meine Kraft, meine Energie und mein Tempo sich verändern. Das Waldbaden ist eigentlich eine Einladung dazu, diesen Veränderungen mehr Raum zu geben. Vielleich einen bewusstere Umgang mit meinem Älter werden wählen. Einen bewussteren Umgang damit, was tatsächlich noch geht. Und ein bewussterer Umgang mit der Frage: Was wirklich echt noch sein soll? Welchen Fokus will ich noch setzen? Ist noch etwas offen, was noch erledigt werden will?

Tipp: Das freie Assozieren, das Wechselspiel zwischen den Details im Wald und mir als Person im Hier und Jetzt erlebe ich als gute Vorraussetzung, um Denk- und Entwicklungsprozesse auszulösen. Meine Empfehlung: Lassen Sie sich auf spontane Suchbewegungen ein, auf das sich spontane Treibenlassen und vertrauen Sie darauf, dass sich Ihr Unbewusstes den „richtigen“ Weg bahnt. Die Symbol- und Methaphernvielfalt im Wald unterstützen den Prozess. So wünsche ich Ihnen viele zielfreie Erkundungsbewegungen in Resonanz zur Natur.

Shinrin yoku Übungen selbst ausprobieren

Bei uns können Sie Waldbaden ausprobieren oder eine Ausbildung zum Waldbaden Gesundheitsguide durchführen. Wir freuen uns auf Sie. Hier finden Sie weitere Informationen!