Heute ist es wieder soweit. Mich zieht es raus in die Natur, in den Wald. Waldbaden erleben. Ich weiß dies wird mir genau jetzt richtig gut tun.

Es regnet bei 10 Grad und die Prognose für die nächsten 3 Stunden ist auch nicht gut. Doch bei der richtigen Kleidung ist Waldbaden bei fast jedem Wetter möglich. Natürlich, sollte es stürmen, gewittern oder dauerregnen, bleibe ich lieber zuhause. Also packe ich warmen Tee ein, ziehe mich warm an und das gute Wanderregencape über.

Das Bad im Wald

Im Wald baden. Ja baden, denn für mich ist es im Wald wie im warmen duftenden Wasser einer Badewannne. Entspannend, Zeit um zu mir zu kommen, um bei mir anzukommen. Einfach mal wieder den Kopf frei und leer kriegen und vorzüglich zum Abschalten. Und die Natur und der Wald 200 Meter von unserer Haustür entfernt, gibt mir genau diese Verlangsamungsmöglichkeit und die exklusive Zeit für mich.

Bewährte Beginn für Waldbaden erleben

Langsam losschlendern, mich sozusagen eingrooven und jeden Schritt bewusster setzen, einen nach dem anderen, zielfrei eben. Zu Beginn ertappe ich mich, wie ich zwischendrin immer wieder schneller gehe. Doch fast schon wie von selbst lege ich mir ans Herz…langsamer und es geht noch ein wenig mehr langsamer. Jeden Schritt mit Bedacht gewählt. Und so bin ich noch nicht ganz im Wald angekommen, da beginnt dieses vorsichtige und manchmal noch überraschte Wahrnehmen meiner inneren Freiheit „Des einfach Seins“. Des kommen und gehen lassens, des loslassen jeglicher Absicht. Im Hier und Jetzt mehr und mehr ankommen. Manchmal gar nicht so leicht, obwohl es doch nur Gegenwart gibt. Ist das Achtsamkeit?

Mein Ritual – die Buche

Ich versuche mich ganz im Hier und Jetzt vom Wald führen zu lassen. Wo spült er mich heute hin? Welches Fleckchen spricht mich besonders an? Wo möchte ich gerne verweilen. Welcher Baum zieht meine Blicke auf sich? Welches Grün passt heute zu mir? Was wird passieren?

Und so dauert es gar nicht lange und sehe vor mir diese mächtige, hoch und breit gewachsene, vielleicht einhundertjährige Buche. Jetzt mit diesem jungen, kräftigen und frühlingshaften Grün reichlich geschmückt und noch sind nicht alle Blätter in ihrer vollen Pracht entfaltet.

Waldbaden erleben

Schon dieses Grün steckt an und gibt meinem Sehen eine neue Bedeutung. Inspirierendes Sehen. Sich selbst erweiterndes Sehen. Es wirkt intensiver und geht tiefer in mich hinein. Eine Augen – Blicke Reise, bei der ich mehr und mehr die ausladene Krone entdecke. Weit bis nach oben elefantenbeindicke Äste.

Bäume entdecken – Waldbaden erleben

Es mag verwunderlich vielleicht fast esotersich klingen, mit Bäumen im Gespräch. Doch unzählige Menschen, die es ausprobiert haben, sind verwundert, welche kommunikative Kraft von Bäumen ausgeht. Wie Mensch und Baum miteinander interagieren.

Ja ich kann die Kraft erahnen, als ich mich langsam meiner Buche – denn für die nächsten 30 – 60 Minuten ist es meine Buche. Erst gehe ich um sie herum. Schaue Sie mir genau an. Heute ist der Boden um meine Buche federnd weich. Buchenblätterschichten von vielen Herbsten . Unterbrochen von ausladenden Wurzeln, die sich unterirdisch weiter verzweigen. Dann finde ich eine passende Nische, sie wird mein Platz werden, wenn meine Sinnetour abgeschlossen ist und ich anfange mit meinen Baum zu „sprechen“. Ich erkunde die Rinde, glatt, zum Teil mit Moos besetzt und dazwischen immer wieder zentimetertiefe Risse, keine Erklärung dafür. Ich gehe nochmal rum und diesmal schaue ich nach oben. Jetzt erahne ich die ganze Größe – mammutgleich.

Die ganze Größe – mammutgleich

Auch hier nehme ich mir die Zeit, die gerade augenblicklich jetzt passend erscheint. Manchmal gehe ich ein paar Schritte weiter weg und lasse mich ein, auf den Unterschied der Perspektiven. Nähe und Distanz mit achtsamen Schritten und Blicken varieren. Mikro- und Makrosehweisen. Und dann fühle ich, wie fühlt sich die Rinde an. Heute ist sie feucht vom Regen. Manchmal spüre ich fast kleine Rinnsale, der Unterschied besonders mit geschlossenen Augen wahrnehmbar. Und dann rieche ich. Die Rinde riecht heute ein wenig modderich. Dafür ist der Buchenblätterboden tieferdig und kräftig im Geruch und bleibt mir eine gute Weile in der Nase hängen. All diese Schritte vollziehen sich immer wieder ähnlich, die Reihenfolge variiert je nach Situation, die Erkundungstiefe bleibt.

Mit Bäumen sprechen – der intensivste Teil

Jetzt folgt der für mich intensivste Teil. Ich versuche zu zuhören. Was sagt mir der Baum? Welche Hinweise gibt er mir? Was findet in mir Ressonanz? Welche Wechselwirkungen entstehen zwischen mir und dem Baum bewusst oder unbewusst?

Heute bin ich selbst erstaunt. Ich gehe zu der zuvor gefundene Nische zwischen zwei dicken Wurzelsträngen und lehne mich an. Erst mit der linken und dann mit der rechten Schulter. Ich lasse mir Zeit – 10 Minuten für jede Seite. Zwischendurch lege ich auch meine Wange an die Rinde. Es ist fast wie als wollte ich einschlafen. Ich werde innerlich ruhiger und ruhiger. Meine Augen die ganze Zeit geschlossen. Eine Baumbegegnungsmeditation. Dann drehe ich mich mit meinen Körper zum Baum, lehne die Stirn an, halte meine Hände leicht gehoben an den Baumstamm. Kontakt.

Eine Fülle an Energie und Kraft, an Gradlinigkeit und Stabilität, an Standfestigkeit und Durchhaltewille strömt bestimmt doch sanft und vorsichtig von oben über meinen Kopf und die Hände durch meine ganzen Körper. Und sofort, doch unerwartet spüre ich, wie mein Rücken sich aufrichtet, meine Wirbelsäule von Vitalität umströmt wird und die latenten Rückschmerzen wie von einem auf dem anderen Moment hinweggeblasen. Es ist fast als sind wir eins – die Buche und ich – ich und meine Buche. Und dann sage ich wie aus dem Off „Danke“ Buche. Danke für Deine grüne Buchenkraft.

Möchten Sie auch Ihrer Buche begegnen, mit ihr ins Gespräch kommen, etwas vom Lebenselixier in sich wirken lassen. Dann besuchen Sie einen unserer Waldbaden Kurse oder machen Sie gleich die Ausbildung zum Waldbadengesundheitsguide.